Drudenbrunnen
Der Drudenbrunnen in Trudering
- Standort
- Solalindenstraße 24 in Neu-Trudering
- Künstler
- Entwurf und Ausführung Josef Kaltenbach, Bildhauer
- Zeit der Errichtung
- 26. August 1929
Beschreibungen
Achteckiges Becken und Säule aus Muschelkalk. Aus Bronze die Plastik und ein gehörnter Faunen-Kopf mit Wasserauslass auf Pentagramm-Stern, einem ‘Drudenfuß‘. Jahres-Wasserverbrauch 2005: 804 Kubikmeter.
Die Brunnenfigur, eine Drude, sitzt relativ zierlich weit oben auf ihrer vierkantigen, obeliskenartig zulaufenden Säule mit einem schlichten Kapitell von quadratischem Grundriss.
Die Figur ist zunächst nur mit dem Opernglas oder durch das Teleobjektiv zu analysieren und überrascht, weil es sich bei ihr offenbar um eine Hexe handelt, die auf einem Besenstiel und einer Wolke 'geifrig' zur Walpurgisnacht reitet.
- Die Inschrift
- auf der Rückseite der Säule lautet
- „Dieser Brunnen wurde gestiftet und gebaut von der freien Interessen-Vereinigung Neu-Trudering anläßlich der Feier ihres 10-jährigen Bestehens im Jahre 1929...“
Die im Münchner Stadtarchiv einsehbare Festschrift zum 26. August 1929 erklärt die Motivwahl als für den Ortsnamen ‘Drudering‘ sprechend - eine Volksethymologie?
Damals hatte man gerade viel durchgemacht: Nach spanischer (eigentlich US-amerikanischer) Grippe 1918 mit 50 Millionen Todesopfern weltweit, nach einem mörderischen 1. Weltkrieg und dem nachfolgenden roten Terror in Russland kam - wie es in der Festschrift heißt - „ein einfacher, nach Freiheit und eigener Scholle lechzender Mensch auf den Einfall“, auf karger Heide vor großem Wald eine Siedler-Genossenschaft zu gründen, der weitere, eigene Genossenschaften für die Versorgung mit Wasser, mit Strom und Straßenerschließung folgten. Doch mit dem Verlangen nach Sex plus 'Blubo und Brausi' (Blut & Boden, Brauchtum & Sippe) schimmert schon 'Völkisches' durch, „als ritte die Drude über die Quelle des Brunnens hinweg zum Waldesdunkel“ (in der Festschrift noch als Verbundenheit mit Sage und Heimatflur gedeutet).
Es solle jede Beschädigung des Brunnens 'strafrechtlich verfolgt' werden, so die Anregung des Genossenschafts-Vorstandes bei der Brunnen-Übergabe an die Gemeinde.
Übrigens
ist Trudering in Wirklichkeit nicht nach dieser Frau, sondern nach einem germanischen Einwanderer namens Truchtaro benannt.
Quellen/Weblinks
- Otto Josef Bistritzki: Brunnen in München, Callwey, 1974. Nr. 474, S.183.
- Nr. 94 auf der Baureferatsliste, September 2011
Siehe auch
- Liste mit knappen Angaben zu vielen anderen Münchner Brunnen